Damit die Altersvorsorge nicht zum Ratespiel wird

Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie viele Bürger noch keine Beratung zur Altersabsicherung in Anspruch genommen haben, obwohl Experten wie auch die Deutschen Rentenversicherung und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine zusätzliche Altersvorsorge dringend empfehlen.

8.7.2024 (verpd) Dass die gesetzliche Altersrente in der Regel nicht reicht, um den Lebensstandard zu halten, verdeutlicht unter anderem das Rentenniveau. Doch, wie eine Befragung zeigt, verzichtet immer noch rund jeder zweite auf eine private Altersvorsorge. Und obwohl die finanzielle Altersabsicherung ein umfangreiches und kompliziertes Thema ist, haben sich zudem nur rund die Hälfte bisher von Experten beraten lassen.

Wie hoch ist meine individuelle gesetzliche Altersrente? Mit welchen sonstigen Alterseinkünften, beispielsweise aus einer bereits bestehenden betrieblichen und/oder privaten Altersvorsorge kann ich im Rentenalter rechnen? Welches Alterseinkommen benötige ich, um meinen bisherigen Lebensstandard zu halten? Nur die wenigsten Verbraucher können diese und andere Fragen zur Altersabsicherung problemlos beantworten.

So schätzen beispielsweise nur weniger als ein Drittel, nämlich 32 Prozent, ihr Wissen zu verschiedenen Altersvorsorgemöglichkeiten als gut oder sehr gut ein. Dies ergab eine aktuelle und repräsentative Umfrage bei über 2.000 Bundesbürgern des Marktforschungsinstituts Yougov Deutschland GmbH im Auftrag eines Versicherers.

Gesetzliche Altersrente reicht nicht

Doch gerade ein umfassendes Wissen zur Altersabsicherung und Antworten auf die genannten Fragen sind für eine individuell passende Altersvorsorgeplanung notwendig. Dennoch hat laut Umfrage nur fast jeder zweite Einwohner, konkret 48 Prozent, sich hierzulande schon einmal von einem Experten zu den Themen Altersvorsorge, Finanzen und finanzielle Vorsorge beraten lassen.

Dass eine zusätzliche Vorsorge zur gesetzlichen Altersrente und damit vorab eine entsprechende Beratung notwendig sind, verdeutlicht unter anderem das niedrige Nettorentenniveau von aktuell nur rund 48 Prozent. Das heißt, die gesetzliche Nettoaltersrente vor Steuern im Verhältnis zum bisherigen Nettogehalt eines sogenannten Standartrentners, der 45 Jahre lang einen Verdienst in Höhe des Durchschnittseinkommens aller gesetzlich Rentenversicherten hatte, beträgt weniger als die Hälfte.

Zwar wird das Rentenniveau aufgrund einer gesetzlichen Regelung bis Mitte 2040 nicht weiter absinken, allerdings reichen 48 Prozent in der Regel nicht aus, dass ein Bezieher einer gesetzlichen Altersrente damit allein seinen bisherigen Lebensstandard halten kann. Zudem erzielt das genannte Rentenniveau nicht jeder. So erfüllt aktuell nur jeder fünfte Rentenbezieher bei Rentenbeginn die Kriterien eines Standardrentners.

Übrigens im Jahr 1990 lag das Nettorentenniveau noch bei 55 Prozent, im Jahr 2000 bei knapp 53 Prozent und ab 2012 zwischen 47 und unter 50 Prozent. Experten erwarten auch aufgrund des Demografiewandels, dass ab Mitte 2040 das Rentenniveau noch deutlich niedriger sein wird als aktuell.

Deutsche Rentenversicherung …

Dass eine zusätzliche Altersvorsorge unverzichtbar ist, zeigen auch Aussagen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Im DRV-Webportal steht zu lesen: „Die gesetzliche Rentenversicherung ist und bleibt die wichtigste Säule der Alterssicherung. Doch zusätzliche Altersvorsorge ist wichtig. Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, sollte sich eine private oder betriebliche Altersvorsorge aufbauen.“

Die DRV betont unter anderem: „Egal in welcher Phase des Lebens Sie sich befinden, es ist nie zu früh oder zu spät, sich Gedanken zur persönlichen Altersvorsorge zu machen. Um die Zeit nach dem Berufsleben sorgenfrei genießen zu können, sollten Sie rechtzeitig vorsorgen und Ihre Chancen nutzen.“

… und Bundesministerium raten zur zusätzlichen Altersvorsorge

Das BMAS rät im Rentenversicherungsbericht 2023 ebenfalls zur zusätzlichen Altersvorsorge: „Der Rückgang des Sicherungsniveaus vor Steuern macht deutlich, dass für die Versicherten Handlungsbedarf besteht, die Einkommen im Alter zu verbessern. Es ist daher ratsam, frühzeitig die finanziellen Spielräume des Alterseinkünftegesetzes und die staatliche Förderung zu nutzen, um eine zusätzliche Vorsorge aufzubauen.

Warum man möglichst frühzeitig für das Alter finanziell vorsorgen soll, erklärt das BMAS wie folgt: „Je früher man mit der privaten Altersvorsorge beginnt, desto besser. Ein langer Anlagehorizont erlaubt relativ geringe Sparraten und erhöht die Renditeaussichten.“

Zudem betont das BMAS: „Die Tatsache, dass die Menschen künftig länger leben und der Anteil älterer Menschen steigt, wird sich vor allem in der Zukunft auswirken. Die Folge ist, dass die gesetzliche Rentenversicherung langfristig nicht mehr das leisten kann, was sie heute leistet. Das müssen die Jüngeren bei ihrer Altersvorsorge beachten. Deshalb empfiehlt sich eine Kombination aus gesetzlicher Rentenversicherung und zusätzlicher Altersvorsorge.“

Wie aus der genannten Umfrage hervorging, sorgt übrigens aktuell nur jeder zweite Einwohner zusätzlich für das Alter vor.

Beratung vom Spezialisten

Wer genau wissen möchte, was er im Rentenalter als Alterseinkommen zu Verfügung hat und welche Einkommenslücke besteht, um den Lebensstandard halten zu können, kann sich von einem Versicherungsexperten beraten lassen.

Dieser analysiert unter anderem die voraussichtliche individuelle gesetzliche Rentenhöhe sowie mögliche Einkünfte im Rentenalter aus bereits bestehenden Kapitalanlagen und Vorsorgelösungen.

Besteht eine finanzielle Einkommenslücke im Alter, berät der Versicherungsexperte über die passenden Vorsorgevarianten, um diese zu schließen. Die private Versicherungswirtschaft bietet hierzu diverse Lösungen an, die teils auch mit Zuschüssen und/oder Steuervergünstigungen staatlich gefördert werden.